KünstlerInnen als PädagogInnen
Überlegungen am Beispiel des Projektes VitaBasteln von Ressource:Kunst e.V.

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Im Herbst 2002 wurden wir - Carmen Mörsch und Thorsten Streichardt vom Verein Ressource:Kunst - von dem regionalen Bildungsträger Bildung und Umwelt e.V. aus Burgdorf zur Durchführung eines Projektes eingeladen. Ausgangspunkt war die Diagnose einer Schieflage: in der Region Hannover-Nord bleiben Lehrstellen unbesetzt, obwohl es genügend BewerberInnen gibt. Auszubildende bedeuten für die kleinen Betriebe eine hohe Investition und damit ein großes Risiko. Die Zukunft des Betriebes hängt davon ab, ob die Auszubildenden die jeweiligen Anforderungen erfüllen können und ob sie nach der Ausbildung in dem Betrieb bleiben. Die UnternehmerInnen gehen davon aus, dass die „guten“ SchülerInnen in die Oberzentren abwandern. Dadurch entwerfen sie die sich bei ihnen Bewerbenden tendenziell als Übriggebliebene, Benachteiligte. Ein Ausbildungsplatz bleibt aus dieser Perspektive besser leer, als ihn mit der falschen Person zu besetzen.

Unser Auftrag war, gemeinsam mit den Beteiligten zu überlegen, wie der Kontakt zwischen den Unternehmen der Region und den SchülerInnen bereits während der Schulzeit hergestellt werden kann, so dass keine falschen Bilder voneinander entstehen und man schon vor dem formalisierten Bewerbungsprozedere die Möglichkeit hat, sich kennen zu lernen und gegenseitig zu wählen.

Das Projekt VitaBasteln bestand aus vier Teilen. Zu Beginn führten wir Video-Interviews mit UnternehmerInnen, SchülerInnen und Auszubildenden und verschnitten diese zu einem misslingenden Dialog, der den konstruktiven, relativen und widersprüchlichen Charakter von Kriterien aufzeigte und die unterschiedlichen Entwürfe und Ansprüche aneinander deutlich werden ließ. Das Video gab uns die Möglichkeit, alle Beteiligten kennen zu lernen und aufgrund ihrer Aussagen das weitere Projekt zu entwickeln. In der Schule boten wir zwei Workshops an. Der eine befasste sich mit der Entstehung von Selbstbildern und einem kritischen Umgang mit dem Begriff der Kompetenz. Im zweiten entwarfen und bauten die SchülerInnen einen Brunnen aus Materialien der beteiligten Betriebe: Ökogemüse, Plastikleisten, Metallteile, Druckereibedarf und Gartenbauzubehör. Das Video und alle weiteren Resultate benutzten die SchülerInnen und wir am Ende als Requisiten für einen Workshop mit LehrerInnen, Eltern, UnternehmerInnen und regionalen EntscheiderInnen auf der Tagung „Sich im Schatten einer Großstadt behaupten“.

Viele Personen waren in das Projekt verwickelt und haben einen Teil davon mitgestaltet. Sie alle verfügen über unterschiedliche Geschichten von VitaBasteln, die voraussichtlich nicht gedruckt erscheinen. In meiner Version der Erzählung, die nun die offizielle wird, interessiert mich, welche Versprechen, spezifischen Qualitäten und Strategien mein Kollege und ich in unserer Rolle als KünstlerInnen in die Schule hineintrugen. Ich möchte auf die je nach Interessengruppe unterschiedlichen Kriterien für ein Gelingen des Projektes hinweisen und auf die Bedingungen, die verschiedene Aspekte eines Gelungenseins vielleicht ermöglicht haben.

Eine Methode, die wir mit gegenwärtigen pädagogischen Ansätzen teilen, bestand darin, wenig explizites, zu vermittelndes Wissen in die Situation mitzubringen, sondern von impliziten, bei den SchülerInnen vorhandenen Wissen auszugehen. Dieses war die Grundlage für die gemeinsame Produktion von Ideen, Bildern, Objekten, Fragen und Antworten. Ein weiteres, immer wiederkehrendes Motiv unserer Arbeit ist es, Möglichkeiten zu einem kritischen Umgang mit Begriffen aufzuzeigen, die von außen kommen und ein Regime von Handlungslogiken etablieren, in denen man sich gefangen fühlt. In diesem Fall waren das die Begriffe „Kompetenz“ und „Selbstbild“. Die inszenierten Selbstbilder im ersten Workshops entstanden kollektiv, die anderen Teilnehmenden konnten jeweils mitbestimmen, mit welchen Utensilien eine Person in Szene gesetzt wurde. Dabei war ein genauer Umgang und viel Verhandlung miteinander nötig. Es entstand ein Begabungensammelblatt, das die SchülerInnen und später die Teilnehmenden der Tagung ins Grübeln darüber brachte, über welche nicht als Kompetenz definierten und scheinbar irrelevanten Fähigkeiten sie verfügen (Abb.1). Im Brunnen-Workshop ging es um das Durchspielen von Handlungen, die augenscheinlich als unsinnig beurteilt werden, die dann aber im selbst hergestellten System eine eigene Logik entwickeln.

Die Tatsache, dass wir in allen Teilen des Projektes Mittel einsetzten, die als künstlerische gelten – Malerei, Zeichnung, Video und plastisches Gestalten – beantwortet meine Frage nach der Spezifik unserer Tätigkeit als KünstlerInnen als PädagogInnen nicht ausreichend. Mit der Einladung an KünstlerInnen, ein Bildungsprojekt zu gestalten, verbindet sich ein Versprechen der Andersartigkeit, der unerwarteten Zugänge und Methoden, eines Erkenntnisgewinns durch das Betreten noch nicht abgelaufener Pfade. Dieses Versprechen ist ambivalent. Auf der einen Seite rekurriert es auf ein romantisches, patriarchal strukturiertes Künstlerbild. Phantasiert wird der frei schweifende, geniale Narr, der autonom, „aus sich selbst heraus“ Wahrheit – oder zumindest eine andere Wahrheit zu sehen gibt. Diese Projektion von Irrationalität auf das Künstlersubjekt erzeugt auch Negativ-Erwartungen an dessen Verhalten. So war ein Teil der UnternehmerInnen unserem Vorhaben gegenüber zu Beginn skeptisch eingestellt. Sie machten sich keine Hoffnungen, dass aus ihrer für uns investierten Zeit irgendetwas „Nützliches“ im Sinne von ökonomisch Effizientem resultieren könnte. Die Leiterin und Lehrenden der Schule waren positiv überrascht, dass unser Vorgehen planvoll organisiert war und wir alle Beteiligten über unsere Vorhaben und Bedürfnisse rechtzeitig und ausreichend informierten – weil sie dieses Verhalten, das bei einer Kooperation und gegenüber GastgeberInnen doch selbstverständlich sein sollte, von KünstlerInnen gar nicht erwartet hätten. Das Unangenehme an diesem Künstlerbild ist, dass es naturalisiert ist, also nicht als Konstruktion sichtbar wird und weiterhin die Spielregeln des künstlerischen Feldes strukturiert und dominiert - auch dort, wo es um partizipatorische Praxis und kritische Interventionen geht. An die Position des autonomen Künstlersubjektes ist die Vorstellung eines reinen, unverschmutzten und unkompromittierten Raumes der Kunst geheftet. Davon zeugt unter anderem die auch im Rahmen der Tagung „Bilden mit Kunst“ wiederholt geführte Rede von der unbedingten Selbstreferenzialität der Kunst, sowie der vorauseilende Gehorsam und die Defensivität von AkteurInnen aus dem Bildungsbereich, wenn es um die sogenannte Instrumentalisierung der Kunst geht, die es in jedem Fall zu vermeiden gelte – als könnte man zweckfreie Verhältnisse eingehen.

Auf der anderen Seite kann das „Versprechen des ganz Anderen“ und die Erwartungen, die der Künstlermythos herstellt als Strategie aufgegriffen und unter Umständen nützlich gemacht werden. Uns gaben sie die Möglichkeit, in der Realschule Uetze einen produktiven Ausnahmezustand herzustellen. Wir handelten in einem für Schule ungewöhnlichen Zeitrahmen: wir konnten über mehrere Tage hinweg mit den Beteiligten verschiedene Themen verfolgen, verknüpfen oder wieder abreißen lassen. Dadurch war Platz zur Verhandlung unterschiedlicher Interessen, es gab die Erfahrung des Nichtgelingens, Neuansetzens oder des Verweigerns. Aktionen konnten ins Leere laufen, an anderer Stelle auftauchen, Sinnzusammenhänge konnten sich verschieben, Handlungen ausprobiert und umgewertet werden. Als KünstlerInnen performten wir ein von in der Schule Lehrenden abweichendes Verhalten. Ich würde es als frecher und mehr auf Augenhöhe bezeichnen. Mehr auf Augenhöhe meint dabei nicht die Illusion, es könnte in einer Workshopstruktur so etwas wie machtfreie, egalitäre Verhältnisse geben. Es meint im Gegenteil, dass wir direkt und manchmal rücksichtslos reagierten und deutlich machten, dass auch wir in der Situation versuchten, auf unsere Kosten zu kommen. Gleichzeitig konnten wir uns verwundbarer zeigen als es Lehrenden möglich ist, weil uns die oben beschriebene Aura des Künstlertums dies straffrei ermöglicht.
Wir spielten als Zweierteam verschiedene und wechselnde Rollen aus – gute Bulle, böser Bulle, chaotische und strukturierte Persönlichkeit, ungeduldige und entspannte Leitung, sprachlich Geschickte und handwerklich Geschickte. Einerseits waren wir für die Gruppe also eine anstrengende Zumutung. Andererseits konnten wir die Situation entlasten, indem wir Reaktionen stellvertretend darstellten. Wir konnten manchmal Problemlösungen initiieren, indem wir unsere Ratlosigkeit demonstrierten.
Ich nenne diese Art der pädagogischen Leitung performen im Sinne des Drag – die Darstellung macht sich dabei selbst als Als-Ob transparent. Wie Nanna Lüth herausgearbeitet hat , gelingt die Performance dann, wenn sich die im Drag angestrebte „Realness“ einlöst: die Darstellung wird als solche erkannt, aber gleichzeitig in ihrer Qualität so anerkannt, dass sich das Publikum als Zeichen dieser Anerkennung auf das Spiel einlässt. Durch die Abhängigkeit von dieser Anerkennung werden die Machtverhältnisse uneindeutig: das Publikum / die Teilnehmenden werden zu MitproduzentInnen, ohne die nichts geht. Das für alle transparente Als-Ob produziert eine Distanz, die in einem Workshop vor allem für die Akzeptanz von Fremden, für Prozesse der Ideenentwicklung und für die Formulierung von Kritik genutzt werden kann.

Als KünstlerInnen brachten wir außerdem unsere technische, handwerkliche und ästhetische Expertise mit in die Situation. Wie von uns erwartet, vermittelten wir den SchülerInnen Techniken der Bild- und Objektproduktion durch sogenannte alte und neue Medien. Wir konfrontierten sie dabei aber mit unseren Qualitätskriterien und stritten mit ihnen um das Gelungensein von Produkten, um Vorstellungen von Kitsch, Unter- und Überkomplexität, Stereotypen und verschiedenen Aussageebenen. Darüber, wann eine Sache fertig ist, wie viel Einsatz nötig ist, welchen Wert verworfene Skizzen haben, wer welche Entscheidungskompetenzen hat oder was Zufriedenheit mit einem Ergebnis bedeutet. Was am Ende der Projekte zu sehen war, ist unter anderem eine Visualisierung dieser Dispute. Dies macht einen Teil der Qualität der entstandenen Produkte aus.
Das Projekt VitaBasteln wurde von den beteiligten Seiten als unterschiedlich erfolgreich wahrgenommen.

Unser Auftraggeber, der Bildungsträger Bildung und Umwelt e.V., maß das Gelingen in erster Linie an dem Tagungsworkshop, also dem öffentlich wirksamen Teil des Projektes. Besonders interessierte ihn dabei, dass die beteiligten SchülerInnen zur Tagung gekommen waren und sich an deren Gestaltung und in den Diskussionen beteiligten. Die auf der Tagung eingesetzten Requisiten aus den Workshops, die von uns eingebrachten Fragen und Vorschläge, die engagierten SchülerInnen und die UnternehmerInnen, die sich auch auf das ungewohnte Setting einließen, waren für ihn die Indikatoren, dass wir gestellten Fragen aufgegriffen und Impulse zu ihrer Lösung gegeben hatten. Die SchülerInnen bezeichneten den Workshop je gelungener, je mehr sie mit unserer Art zurechtkamen und sich in der Gruppe wohlfühlten. Sie betrachteten den Workshop außerdem je erfolgreicher, je stolzer sie auf die Ergebnisse waren. Die Selbstbilder wurden dabei am höchsten bewertet. Dagegen mochten manche den von ihnen gebauten Brunnen nicht, er erfüllte nicht ihre Kriterien einer gelungenen Form. Dementsprechend erschienen sich auch nicht auf der Tagung, wo der Brunnen präsentiert wurde. Gleichzeitig waren vor allem die Schülerinnen, die sich an der Tagung beteiligten, danach sehr stolz, dass sie es gewagt hatten, sich einer ungewohnt großen Öffentlichkeit zu stellen.

Die beteiligten UnternehmerInnen gaben an, den von uns hergestellten ironisierten und reflexiven Blick auf ihre Ansprüche und Wertigkeiten als anregend empfunden zu haben. Dazu gehörte auch die unerwartete Verwendung ihrer dem Projekt geschenkten Materialien. Wir erzeugten eine Störung in ihrem System und damit genervte bis neugierig zugewandte Reaktionen - und wenig später auf der Tagung die Erfahrung einer positiven Überraschung. Ein Transfer davon könnte im günstigen Fall sein, Störungen in Zukunft nicht vorschnell als überflüssig zu bewerten. Mit unserem Vorschlag zur Kommunikation zwischen Schule und Unternehmen wiesen wir darauf hin, dass neue Formen der Kooperation viel Arbeit, Umdenken und Engagement für alle Beteiligten bedeuten und eine Veränderbarkeit von Mikrostrukturen voraussetzen . Gleichzeitig verwiesen wir diese Veränderbarkeit in den Raum des eigenen Handelns. Man muss damit nicht auf das schwer Beeinflussbare, wie eine Ausbildungsreform oder eine Gesetzesänderung warten.
Unsere eigenen Kriterien wichen von diesen wiederum ab. Für uns war es in erster Linie wichtig, dass die Verschiebung einiger wenig hinterfragter Begriffe gemeinsam mit den SchülerInnen möglich war. Unausgesprochene Anforderungen und die Gründe für deren Verweigerung als eine alle Beteiligten - einschließlich uns selbst- betreffende Erfahrung teilweise sichtbar und verhandelbar zu machen, war für uns eine der schwierigsten Aufgaben, die wir uns im Rahmen des Auftrags selbst gestellt hatten.
Zu Beginn des Projekts hatte uns verblüfft und deprimiert, wie sehr die RealschülerInnen darauf angewiesen waren, konkrete Anweisungen zur Ausführung zu erhalten – anstelle der vielbeschworenen Selbststeuerung des Lernens. Es war für uns ein Erfolg zu sehen, dass sich dies schon nach dem zweiten Tag in den Workshops änderte. Ein weiteres Kriterium war für uns erwartungsgemäß die „Prozessorientierung“, d.h. die Betonung des Eigenwertes von Suchbewegungen. Diese war für die TeilnehmerInnen und auch für die Auftraggeber schwer auszuhalten, da sie sich mit klaren Zielsetzungen und vordefinierten Handlungsabläufen weniger einsam zu fühlen schienen.
Doch ähnlich wie sie waren auch wir an gelungenen Produkten interessiert. Allerdings fanden wir die Selbstbilder gerade deswegen schön, weil sie glatte, geschlossene Repräsentationsweisen konterkarierten, sich zum Beispiel dem Anspruch einer professionellen Ausleuchtung und damit einer gewissen Dramatik oder totalen Sichtbarkeit verweigerten. Es ging uns nicht darum, den SchülerInnen „Nachhilfe zu einer wirkungsvollen Darstellung“ zu erteilen, sondern, wie Eva Sturm schreibt, um das „Entwickeln, Überprüfen, Reflektieren und Wahrnehmbarmachen von eigenen Repräsentationsformen“ . Dagegen drängten unsere TeilnehmerInnen darauf, dass wir als Kunstprofis für unangreifbare Formen zu sorgen hatten.
Anhand dieser Aufzählung wird klar, dass die an unser Projekt gebundenen Interessen unterschiedlich waren. Die Interessen und Ideen der KünstlerInnen standen neben denen der anderen Beteiligten. Sie zu verhandeln, war Teil der gestalterischen Arbeit im Projekt.
Instrumentalisierung findet immer dann statt, wenn Interessen unberücksichtigt bleiben. Für VitaBasteln hieße das: hätten wir einen enger gesetzten Rahmen bekommen, der beispielsweise einen kritischen Umgang mit dem Begriff „Kompetenz“ nicht erlaubt hätte - weil dies die SchülerInnen unter Umständen verunsichert oder widerständiger macht anstatt als sie zu motivieren– wären wir für die Belange des Auftraggebers instrumentalisiert worden.

Hätten wir aber das Interesse unseres Auftraggebers, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Schule aufzuzeigen, nicht berücksichtigt und statt dessen z.B. ein künstlerisches Projekt zu den Vorteilen der Arbeitsverweigerung durchgeführt, hätten wir den Auftraggeber und alle Beteiligten dafür instrumentalisiert, um ein interessantes Kunstprojekt zu machen und möglicherweise dessen Mehrwert in einem anderen System abzuschöpfen.
Von allen Seiten ist also die Bereitschaft gefragt, den Widerstreit der Interessen in den Stand der Projektarbeit zu erheben und in den einzelnen Situationen einen Artikulationsraum für diesen Widerstreit herzustellen. „Die nutzen uns doch für ihre Tagung aus“ sagten die SchülerInnen direkt, nachdem wir ihnen unseren Auftrag am ersten Tag des Workshops erklärt hatten. Die Gefahr der Instrumentalisierung wurde durch diese Klarheit selbst zum Inhalt des Workshops.
Dies ist neben den logistischen und ökonomischen Voraussetzungen eine der wichtigsten Bedingungen für das Gelingen eines künstlerisch – edukativen Projektes.
Wenn daran kein Interesse besteht, oder wenn diese Möglichkeit nicht zumindest im Verlauf erkämpft wird, ist es unnötig, mit KünstlerInnen zu arbeiten. Sie können dann ihre wichtigsten Karten, über die sie dank ihrer Position verfügen– Selbstverständliches zu verschieben, den Umgang mit Fremdem zu ermöglichen und scheinbar nicht Hinterfragbares zur Disposition zu stellen – nicht ausspielen.
Als wir im darauffolgenden Jahr vom gleichen Auftraggeber eingeladen wurden, mit einer Hauptschule in drei Tagen eine „integrative Plastik zum Abbau von Stress und Spannungen“ herzustellen, um diese wieder erfolgreich auf einer Tagung zu präsentieren, waren wir frustriert. Unser Anspruch, als KünstlerInnen und PädagogInnen eine kritische und ermächtigende Praxis zu betreiben, war bei den Teilnehmenden angekommen, auf der Seite der Entscheider aber offenbar nicht. Zum Glück ist es möglich, ein Angebot abzulehnen.